
Die Kapuziner ließen sich im Jahr 1638 in Eppan nieder, wo sie sich hauptsächlich um die Seelsorge, Katechese und Predigt kümmerten. Das Eppaner Kloster blieb von den Klosteraufhebungen unter Joseph II. zwar verschont, wurde aber 1810 während der Napoleonischen Kriege aufgehoben. Dabei sollen auch Bibliotheksbestände veräußert worden sein. Nach der Vertreibung der Franzosen konnten die Kapuzinerpatres 1813 zurückkehren. Im Jahr 1972 wurde das Eppaner Kloster aufgelassen und von der Pfarrei angekauft, die es zur Pfarrkirche mit Widum umbaute und seitlich um einen modernen Zubau erweiterte.
Die Bibliothek und andere Kulturgüter wurden nach der Auflösung in das Brixner Kapuzinerkloster überführt, nachdem jüngere Buchbestände ausgesondert worden waren.
Heute umfasst die Kapuzinerbibliothek von Eppan 2.990 Bände, darunter 27 Inkunabel-Ausgaben.
Der Großteil der Werke ist im 18. Jahrhundert erschienen (34%), gefolgt von Drucken des 17. (rund 27%) und 19. Jahrhunderts (20%). Die Drucke des 16. Jahrhunderts nehmen 7% ein.
Die Kapuzinerbibliothek Eppan weist einen deutlichen theologischen Schwerpunkt auf: 92,5% des Gesamtbestandes entfallen auf das Fachgebiet Theologie, wobei insbesondere Werke zur Homiletik überwiegen, gefolgt von der Spiritualität. Die Tirolensien machen rund 9 % des Gesamtbestands aus.
Zu den Raritäten des Bestandes gehört u.a. der von Sebastian Brant herausgegebene und 1536 bei Weißenhorn in Augsburg erschienene Richterlich Clagspiegel.
Die Kapuzinerbibliothek von Eppan wurde im Jahr 2004 durch das Projekt EHB erschlossen.