
In einem der unterirdischen Büchermagazine des Bozner Franziskanerklosters ist seit Mitte der 1990er-Jahre die Bibliothek des 1993 aufgelösten bayerischen Franziskanerkonvents Klosterlechfeld untergebracht. Das Franziskanerkloster auf dem Lechfeld war 1624 an der Stelle einer 1602 von Regina Imhof gestifteten Wallfahrtskapelle gegründet worden.
Das Bayerische Kultusministerium und die Franziskanerprovinzen von Bayern und Südtirol schlossen in Bezug auf den Bibliotheksumzug nach Bozen einen Leihvertrag, in dem sie vereinbarten, dass der Freistaat Bayern weiterhin das Eigentumsrecht an den Büchern behält, diese jedoch dauerhaft in Bozen aufbewahrt werden dürfen.
In den Jahren 1999-2000 wurde die historische Franziskanerbibliothek von Klosterlechfeld durch das Projekt EHB erschlossen, die Fachgruppe Inc. (= Inkunabeln und Postinkunabeln) im Jahr 2003.
Der wertvolle Franziskanerbestand umfasst über 12.000 Bände, darunter 37 Inkunabeln, von denen die meisten in keiner anderen von EHB erfassten Bibliothek vorhanden sind, sowie rund 500 Drucke des 16. Jahrhunderts. Neben Autoren des Humanismus und der Reformation wie Erasmus von Rotterdam oder Urbanus Rhegius finden sich auch Vertreter der Gegenreformation wie Georg Witzel.
Die größte Fachgruppe in der Bibliothek von Klosterlechfeld bildet die Homiletik mit 16%, gefolgt von Aszetik, Dogmatik und Kirchengeschichte. Unter den weltlichen Disziplinen nimmt die Literatur den größten Raum ein. Obwohl der Anteil an Tirolensien mit 3,8% relativ gering ist, beherbergt die Bibliothek dennoch Werke von Tiroler Autoren, die in den bisher erschlossenen Südtiroler Klosterbibliotheken nicht vorhanden sind, z.B. Johannes Nas (Franziskaner und Weihbischof in Brixen) oder Nicolaus Cusanus (Humanist und Fürstbischof von Brixen).