
Der Priester und Heimatforscher Johann Parschalk wurde im Jahr 1778 in Lengmoos am Ritten geboren. Nach dem Besuch des Bozner Franziskanergymnasiums begab er sich zum Theologiestudium nach Innsbruck. Nach der Priesterweihe wirkte er zwölf Jahre lang als Kooperator in seiner Heimatgemeinde Lengmoos, wo er anschließend 35 Jahre lang als Pfarrer tätig war. Im Jahr 1857 starb er an Lungenlähmung.
Parschalk war nicht nur ein angesehener Seelsorger, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus auch bekannt für seine große und bedeutende private Bibliothek. Zeit seines Lebens sammelte er Bücher und setzte dafür alle verfügbaren finanziellen Mittel ein. Dabei dürften ihm auch die Aufhebung der Klöster im Josephinismus und die Plünderungen der Klosterbibliotheken in der Franzosenzeit zugutegekommen sein, als zum Teil sehr wertvolle Bücher zu äußerst niedrigen Preisen auf dem Markt verkauft wurden. So finden sich beispielsweise einige Bücher mit Besitzvermerken des 1785 aufgehobenen Bozner Dominikanerklosters und der Kartause Allerengelberg in Schnals im Parschalk-Bestand.
Seine Büchersammlung war bald so gewachsen, dass er ein eigenes Gebäude bauen lassen musste, das er auch öffentlich zugänglich machte. In seinem Testament verfügte Parschalk, dass seine Büchersammlung niemals zerstückelt oder aufgelöst werden solle. Hierfür stiftete er aus seinem Privatvermögen ein Benefizium, das sowohl den Unterhalt eines Priesters sichern als auch die Betreuung der Bibliothek gewährleisten sollte.
1962 wurde die Parschalk-Bibliothek in das Bischöfliche Seminar Johanneum in Dorf Tirol gebracht und dort geschlossen aufgestellt. Gründe für den Umzug waren die Sicherheit und bessere Zugänglichkeit.
Seit 1997 ist der Parschalk-Bestand im Brixner Vinzentinum untergebracht, wo er geschlossen im Rollarchiv aufbewahrt wird. Der Bestand, der über 13.000 Bände umfasst, wurde in den Jahren 2006-2009 im Rahmen des Projekts EHB wissenschaftlich erschlossen.
Im Bestand sind religiöse und weltliche Literatur nahezu gleichwertig vertreten. Die größten theologischen Fachbereiche umfassen Homiletik, Bibelwissenschaften, Patristik, Dogmatik und Spiritualität, während in den profanen Sachgebieten die Literatur an erster Stelle steht, gefolgt von Geschichte und Philosophie. Zum ältesten Bestand zählen 17 Inkunabeln: Die älteste trägt den Titel Pantheologia sive summa universae theologiae und wurde 1474 bei Koberger in Nürberg gedruckt.
Johann Parschalk hat dem Land mit seiner Büchersammlung einen wertvollen Kulturschatz hinterlassen.