
Das Kapuzinerkloster in Neumarkt wurde im Jahr 1621 auf Betreiben des aus Neumarkt stammenden Kapuzinerpaters P. Angelus Pichler (✝1649) gegründet. Das Südtiroler Unterland galt zu dieser Zeit aufgrund seiner Sumpflandschaft als ungesunde Gegend, in der Malaria und andere Krankheiten zirkulierten. Aus diesem Grund stellte der Neumarkter Bürger Christoph Obermayr den Kapuzinern im Jahr 1630 seinen Hof im Weiler Gschnon (Gemeinde Montan) zur Verfügung, der fortan von den Kapuzinerpatres zur Erholung und als Sommerfrischaufenthalt genutzt wurde.
Von den Josephinischen Klosteraufhebungen war das Neumarkter Kloster verschont geblieben, doch unter dem Königreich Italien wurde es 1810 aufgehoben. Einrichtung und Bibliothek wurden veräußert. 1814 kehrten die Kapuziner in das Kloster zurück. Seit 1996 wird das Neumarkter Kapuzinerkloster mit seinem Bergklösterchen in Gschnon unter dem Motto „Oase der Stille“ als Kloster zum Mitleben geführt. Gegenwärtig lebt noch ein Kapuzinerpater im Neumarkter Kloster.
Die Neumarkter Kapuzinerbibliothek ist in einem Rollarchiv im ersten Stock des Klostergebäudes untergebracht. Der historische Teil der Sammlung (Bücher bis zum Erscheinungsjahr 1910) wurde in den Jahren 2003–2004 von Mitarbeitern des Projekts EHB in den Räumlichkeiten des Brixner Kapuzinerklosters erschlossen und anschließend wieder nach Neumarkt zurückgeführt. Insgesamt umfasst der erfasste Bestand 4.400 Bücher.
Die Bibliothek besitzt fünf Inkunabeln, die allesamt Predigtwerke sind. Die thematische Verteilung zeigt, dass die Homilien mit 27% den größten Anteil des Bibliotheksbestands ausmachen, gefolgt von Spiritualität mit 11% und Dogmatik mit fast 10%. Bei den profanen Fachgebieten bildet die Geschichte mit 3% den größten Anteil. Etwa 11% des Gesamtbestandes sind Tirolensien.