
Das Brixner Vinzentinum beherbergt in seinem Rollmagazin auch die Privatbibliothek des ehemaligen Vinzentiner Naturkundeprofessors und „Volkstanzvaters“ Dr. Luis (Alois) Staindl (*1913, Tulfer bei Wiesen–†1994, Brixen). Nach dessen Tod übergab seine Tochter DDr. Bernadette Staindl dem Vinzentinum seine Bibliothek als Leihgabe.
Luis Staindl wurde während des Faschismus wegen verbotenen Deutschunterrichts in die Basilikata verbannt und 1939 durch die Option befreit. Anschließend unterrichtete er einige Jahre an der „Reichsschule für Volksdeutsche“, einer Oberschule für Südtiroler Optanten in Rufach im Elsass. Von dieser Zeit zeugen zahlreiche ideologisch geprägte Werke in seinem Bestand – darunter etwa Biologie-Lehrbücher der NS-Zeit sowie Bücher zur Rassenkunde und Vererbungslehre.
Ab 1945 war Staindl am Brixner Realgymnasium und am Vinzentinum als Naturkundelehrer tätig.
Neben der Naturwissenschaft widmete sich der studierte Geologe mit besonderer Leidenschaft der Volkskunde, insbesondere dem Volkstanz: Über 25 Jahre leitete er den Arbeitskreis für Volkstanz. Seine Bibliothek umfasst zahlreiche Werke zur Volkskunde des Alpenraums, darunter Themen wie Volkstanz, Volkslied, Brauchtum und Trachtenkunde.
Die größte Fachgruppe in seinem Bestand sind die Naturwissenschaften mit ihren Unterdisziplinen, im Speziellen die Botanik und die Biologie. Stark vertreten sind auch die volkskundlichen Schriften und die Erdkunde. Bei den Interessenkreisen liegt die Biologie an erster Stelle (16% des Gesamtbestandes), gefolgt von der Literatur mit 12%. Mit 7% gleichauf liegen die Interessenkreise Geschichte und die Musik.
Insgesamt umfasst Staindls Bibliothek 3.044 Bände. Sie wurde im Zuge des Projekts EHB im Jahr 2012 erfasst.